An Bord wird plötzlich von Luv, Fieren und Muring geredet. 96 Begriffe, jeder in zwei Sätzen erklärt — und zwar so, wie sie an Bord tatsächlich benutzt werden, nicht wie im Prüfungsheft.
Die seitliche Abweichung eines Bootes von seiner tatsächlichen Kurslinie durch Wind oder Strömung.
⚠️Nicht mit dem Unterschied zwischen Kurs durchs Wasser und Kurs über Grund verwechseln.
⚓Besonders beim Anlegen, Navigieren und bei starkem Wind beachten.
🧠Das Boot fährt nach vorne — und schiebt gleichzeitig ein bisschen zur Seite.
😂Das Boot hat manchmal einfach seine eigene Vorstellung davon, wohin es fährt.
Abfallen
Manöver
Den Kurs vom Wind wegdrehen, also weiter mit dem Wind fahren. Das Gegenteil von Anluven. Beim Abfallen werden die Schoten gefiert, das Boot richtet sich auf und wird ruhiger.
Achtern
Boot
Hinten. „Nach achtern gehen" heißt: ans Heck. Der Gegenbegriff ist „vorn" oder „im Bug". Achteraus liegt hinter dem Boot — also das, was man sieht, wenn man sich umdreht.
Am Wind
🇬🇧 Close-hauledManöver
Der Kurs so dicht wie möglich gegen den Wind. Das Boot krängt am stärksten und wird am nassesten — und man kommt dem Ziel nur im Zickzack näher.
⚠️Es gibt keinen für jedes Boot festen Winkel wie „immer 45°" — wie hoch ein Boot gehen kann, hängt von Boot und Bedingungen ab.
⚓Segel werden relativ dicht gefahren, das Boot krängt spürbar.
🧠Am Wind = der Wind kommt ziemlich von vorne.
😂Am Wind ist der Moment, in dem die Kaffeetasse freiwillig zur Crew gehört.
Ankern
🇬🇧 AnchoringHafen
Das Boot am Grund festmachen statt am Steg. Ausgelegt wird nicht die Wassertiefe, sondern ein Mehrfaches davon: Nur eine flach über den Grund laufende Kette zieht den Anker in den Boden, eine zu steile zieht ihn heraus.
⚠️Wie viel Kette oder Leine nötig ist, hängt von Wassertiefe, Wind, Grund und Ausrüstung ab — dafür gibt es keine feste Zahl, die überall stimmt.
⚓Vor dem Ankern Grund, Tiefe, Wetter, Schwojkreis und Abstand zu anderen Booten prüfen.
🧠Der Anker hält nicht das Boot — er hält den Grund.
😂Ankern ist die Kunst, genau dort stehen zu bleiben, wo alle anderen auch stehen wollen.
Den Kurs näher an den Wind drehen. Das Boot legt sich meist stärker auf die Seite — bis es zu dicht am Wind steht und die Segel killen.
⚠️Anluven bedeutet nicht automatisch schneller werden.
⚓Beim Anluven verändert sich der Segeldruck spürbar.
🧠Anluven = näher an den Wind.
😂Wenn der Skipper „ein bisschen anluven" sagt, ist „ein bisschen" manchmal erstaunlich relativ.
Aufschießer
Manöver
Ein Manöver, bei dem das Boot in den Wind gedreht wird, um Fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Klassisch beim Mann-über-Bord-Manöver und beim Anlegen an eine Boje.
B
Back
auch: BackskisteBoot
Ein Stauraum. Die Backskisten sind die Sitzbänke im Cockpit, unter deren Deckeln Fender, Leinen und Putzzeug liegen. „Back" bezeichnet je nach Zusammenhang auch das Vorschiff.
Backbord
🇬🇧 PortBoot
Die linke Seite des Bootes, in Fahrtrichtung gesehen. Wird nachts durch ein rotes Licht markiert.
🧠Rot = links, wie beim Rotwein zur linken Hand.
😂Links ist Backbord. Außer jemand erklärt es dir so kompliziert, dass du plötzlich wieder bei links bist.
Baum
auch: GroßbaumSegel
Die waagerechte Stange am Fuß des Großsegels. Bei einer Halse schwingt sie mit Wucht auf die andere Seite — deshalb heißt es bei jedem Manöver „Kopf einziehen". Die häufigste Verletzungsquelle an Bord.
Beaufort
auch: BftWetter
Die Skala für Windstärke, von 0 (Flaute) bis 12 (Orkan). Sie ist nicht linear: Von 4 auf 6 verdoppelt sich nicht der Wind, sondern der Druck im Segel vervierfacht sich etwa. Faustregel: Bft × 2 ergibt ungefähr die Knoten.
Ein Manöver, bei dem das Boot so eingestellt wird, dass es mit wenig Fahrt relativ stabil liegt und die Segel teilweise entlastet werden.
⚠️Die Wirkung unterscheidet sich je nach Boot und Segelkonfiguration — vorher unter sicheren Bedingungen üben.
🧠Beidrehen = dem Boot eine Pause gönnen.
😂Endlich ein Manöver, bei dem „nichts tun" plötzlich seemännisch klingt.
Belegen
Hafen
Eine Leine an einer Klampe sichern — kein Knoten, sondern eine Wickeltechnik: zwei Runden herum, dann Kreuzschläge, zum Schluss ein Kopfschlag. Lernt man beim ersten Anlegen in zwei Minuten.
Bilge
Boot
Der tiefste Punkt im Rumpf, unter den Bodenbrettern. Dort sammelt sich alles Wasser, das ins Boot gelangt — und alles, was jemand fallen lässt. Eine Bilgenpumpe befördert es wieder hinaus.
Blauwassersegeln
auch: Langfahrt / FahrtensegelnTörn
Segeln auf hoher See, fernab von Küste und Marina — über Tage, Wochen oder Monate. Eine scharfe Definition gibt es nicht; „Langfahrt" und „Fahrtensegeln" werden weitgehend gleichbedeutend benutzt. Für Mitsegler ist die Atlantiküberquerung die häufigste Gelegenheit, das kennenzulernen.
Bö
Wetter
Ein kurzer, deutlich stärkerer Windstoß. Für die Planung zählen Böen oft mehr als der Mittelwert — sie entscheiden, ob gerefft wird.
Bora
Wetter
Ein kalter, extrem böiger Fallwind an der kroatischen Küste aus Nordost. Kalte Luft aus dem Landesinneren stürzt über das Küstengebirge ab. Sie kündigt sich oft durch eine Wolkenkappe auf den Bergen an — bei Bora bleibt man im Hafen.
Die laufende Aufzeichnung der Reise: Uhrzeit, Position, Wind, Kurs, Logge, Segelführung, Bemerkung. Eine gesetzliche Führungspflicht trifft vor allem die Berufsschifffahrt — auf Charteryachten wird es trotzdem erwartet, und es ist die Grundlage für Meilennachweis, Schadensklärung und die spätere Törnkarte.
Die gemeinsame Kasse für Diesel, Hafengebühren, Lebensmittel und Endreinigung. Alle zahlen zu Beginn denselben Betrag ein, am Ende wird abgerechnet und der Rest zurückgezahlt. Sie ist die häufigste böse Überraschung, wenn sie im Inserat fehlt.
Der vordere Teil des Bootes. Vom Bug aus wird geankert, dort liegt das Vorschiff mit der Ankerkette, und dort sitzt man bei ruhigem Wetter am schönsten.
C
Cockpit
auch: PlichtBoot
Die offene Sitzgrube im Heck, in der gesteuert wird und in der sich die Crew tagsüber aufhält. Hier stehen Steuerrad oder Pinne, die Winschen und meist der Kartenplotter.
Crew
Rollen
Alle an Bord außer dem Schiffsführer — bei einem Kojencharter also die Mitsegler. Aus Fremden wird im Lauf der Woche eine Mannschaft; der gemeinsame Einkauf am ersten Tag ist dabei der wirksamste Eisbrecher.
D
Dichtholen
Segel
Eine Schot durchziehen, sodass das Segel näher an die Mittschiffslinie kommt. Das Gegenteil ist „fieren" — kontrolliert nachlassen.
Dünung
auch: SchwellWetter
Die lange, gleichmäßige Welle, die von einem Wind übrig bleibt, der ganz woanders geweht hat. Sie läuft weiter, wenn es längst windstill ist — deshalb kann es bei spiegelglatter Luft rollen. Auf dem Atlantik ist sie ständiger Begleiter, im Mittelmeer die Ausnahme.
E
Echolot
Navigation
Misst die Wassertiefe unter dem Boot. Entscheidend beim Ankern und beim Anlaufen flacher Buchten. Wichtig zu wissen: Manche Geräte zeigen die Tiefe ab Kiel, andere ab Wasseroberfläche.
Etmal
Navigation
Die in 24 Stunden zurückgelegte Strecke. Auf Kojencharter-Törns selten Thema, auf Überführungen und Meilentörns die zentrale Kennzahl.
F
Fäkalientank
auch: SchwarzwassertankHafen
Der Sammelbehälter für das Abwasser der Bordtoilette. In Buchten und Häfen bleibt der Hahn zu — abends schwimmen dort Menschen im selben Wasser. Absauganlagen an Land sind im Mittelmeer allerdings selten, weshalb in der Praxis meist auf offener See gelenzt wird.
Eine Leine, die ein Segel nach oben zieht. Das Großfall setzt das Großsegel, das Vorsegelfall die Genua. Merkhilfe: Fälle gehen hoch, Schoten gehen nach hinten.
Fender
🇬🇧 FenderHafen
Die aufblasbaren Puffer zwischen Bootsrumpf und Steg oder Nachbarboot. Sie müssen auf Höhe der breitesten Stelle hängen, knapp über der Wasserlinie — zu hoch oder zu tief schützen sie nichts.
🧠Fender = Stoßdämpfer fürs Boot.
😂Der Fender ist das Crewmitglied, das erst auffällt, wenn es fehlt.
Festmacher
Hafen
Die Leinen, mit denen das Boot am Steg gehalten wird. Nie um die eigene Hand wickeln: Wenn das Boot zieht, verliert die Hand.
Fieren
Segel
Eine Leine kontrolliert nachlassen — nicht loslassen. Der Unterschied ist entscheidend: Eine losgelassene Schot schlägt wild um sich, eine gefierte gibt gleichmäßig nach.
Flottille
Törn
Mehrere Boote, die dieselbe Route gemeinsam fahren, begleitet von einer erfahrenen Führungscrew. Beliebt bei Familien und Gruppen — mehr Gemeinschaft und mehr Sicherheitsnetz als bei einem einzelnen Boot.
G
Genua
auch: VorsegelSegel
Das große Vorsegel vor dem Mast. Auf Charteryachten ist es meist auf eine Rollanlage gewickelt und lässt sich dadurch ohne Klettern ausrollen und wieder einrollen.
Großsegel
Segel
Das Hauptsegel hinter dem Mast, unten am Baum befestigt. Es liefert den größten Teil des Vortriebs und wird bei zunehmendem Wind als Erstes verkleinert.
H
Halse
🇬🇧 Gybe / JibeManöver
Ein Wendemanöver, bei dem das Heck durch den Wind geht. Der Baum schlägt dabei auf die andere Seite — mit Wucht. Deshalb wird eine Halse immer angekündigt und die Großschot vorher dichtgeholt.
⚠️Eine unkontrollierte Halse kann gefährlich sein, besonders bei starkem Wind.
🧠Wende = Bug durch den Wind. Halse = Heck durch den Wind.
😂Die Halse ist der Moment, in dem der Baum plötzlich sehr viel Aufmerksamkeit bekommt.
Heck
Boot
Das hintere Ende des Bootes. Im Mittelmeer liegt es beim Anlegen zur Mole, weil man dort mit dem Heck voran in die Lücke fährt.
Warmer, feuchter Südostwind in der Adria. Er baut sich langsam auf, hält lange an und macht vor allem Welle. Anders als die Bora kommt er nicht überraschend.
K
Kajüte
auch: KabineBoot
Ein Schlafraum unter Deck. Auf einem Kojencharter teilst du dir in der Regel eine Doppelkabine mit einer weiteren Person — Fremde werden dabei nur gleichgeschlechtlich zusammengelegt.
Der Bildschirm am Steuerstand mit Seekarte, GPS-Position und eingezeichneter Route. Heute das Hauptwerkzeug der Navigation — die Papierseekarte bleibt als Rückfall bei Stromausfall an Bord.
Ein Boot mit zwei Rümpfen. Krängt kaum, hat meist eigene Bäder pro Kabine und deutlich mehr Platz — kostet pro Koje aber erheblich mehr. Erste Wahl für alle, die zu Seekrankheit neigen.
Die schwere Flosse unter dem Rumpf. Sie hält das Boot aufrecht und verhindert, dass es seitlich abtreibt. Weil dort mehrere Tonnen Ballast hängen, richtet sich ein Kielboot aus der Schräglage von selbst wieder auf — anders als eine Jolle.
⚠️Unkenterbar ist auch ein Kielboot nicht: Es richtet sich aus den Lagen auf, die beim Segeln vorkommen, nicht aus jeder denkbaren Situation.
Killen
Segel
Das Flattern eines Segels, das keinen Wind fasst. Klingt dramatisch, ist aber meist nur ein Hinweis: entweder zu dicht am Wind gesteuert oder die Schot zu weit gefiert.
Klampe
Boot
Ein T-förmiger Beschlag an Deck oder am Steg, um den Leinen gelegt werden. Das Festmachen daran heißt „belegen": zwei Runden herum, dann Kreuzschläge, zum Schluss ein Kopfschlag.
Knoten (kn)
Wetter
Die Einheit für Geschwindigkeit auf See: eine Seemeile pro Stunde, also etwa 1,85 km/h. Gilt für Wind wie für Boot. Nicht zu verwechseln mit dem Knoten in der Leine.
Koje
Boot
Ein Schlafplatz an Bord. Beim Kojencharter buchst du genau das: einen einzelnen Platz, nicht das ganze Boot. Daher der Name.
Kojencharter
🇬🇧 Cabin charter / berth charterTörn
Die Buchung eines einzelnen Schlafplatzes auf einem geführten Törn, statt eines ganzen Bootes. Man kommt allein und segelt mit einer Crew, die sich am ersten Tag zum ersten Mal sieht. Synonym zu „Mitsegeln".
⚓Vorher klären, was im Preis enthalten ist, wie Kabinen geteilt werden und welche Bordkosten zusätzlich entstehen.
😂Fremde Menschen kennenlernen — manchmal inklusive gemeinsamer Kühlschrankordnung.
Die Bordküche. Der Herd hängt kardanisch — er bleibt waagerecht, wenn das Boot krängt. Weil die Kombüse unter Deck ohne Horizont liegt, wird dort auch am ehesten jemand seekrank.
Zwischen dem Kurs in der Seekarte und dem am Kompass abgelesenen liegen zwei Korrekturen: die Missweisung zwischen geografisch und magnetisch Nord, und die Deviation, der Fehler des Kompasses an seinem Einbauort. Deshalb hat das Bordbuch zwei Spalten — KaK für den Kartenkurs, MgK für den Magnetkompasskurs.
Koppelnavigation
auch: Besteck / KoppelnNavigation
Die Position aus Kurs, Fahrt und verstrichener Zeit fortschreiben, ohne GPS. Genau dafür stehen die Spalten des Bordbuchs nebeneinander: Wer sie stündlich füllt, kann die Position auch dann noch bestimmen, wenn Plotter und Strom ausfallen.
Krängung
Manöver
Die Schräglage des Bootes unter Segeldruck. Sieht dramatischer aus, als sie ist: Der Ballast im Kiel richtet das Boot immer wieder auf. Beim ersten Mal glaubt das niemand, ab dem dritten Tag denkt keiner mehr daran.
Im Zickzack gegen den Wind fahren, weil ein Segelboot nicht direkt gegen ihn ankommt. Kostet ungefähr die doppelte Strecke — ein Ziel dreißig Meilen gegen den Wind kann acht Stunden dauern statt vier.
Kurs
Navigation
Die Richtung, in die das Boot fährt, angegeben in Grad von 0 bis 360. Nicht zu verwechseln mit dem Kurs zum Wind (am Wind, raumschots, vor dem Wind) — beides heißt Kurs.
L
Latten
Segel
Steife Stäbe in Taschen des Großsegels, die ihm seine Form geben. Beim Bergen müssen sie sauber in den Lazy Bag fallen — sonst hakt das Segel und niemand bekommt es geschlossen.
Lee
🇬🇧 LeewardManöver
Die dem Wind abgewandte Seite. Im Lee einer Insel ist das Wasser glatt und der Wind schwach. Wichtig auch praktisch: Wer seekrank ist, geht nach Lee an die Reling — nicht nach Luv.
⚠️Lee und Luv sind relativ zum Wind, nicht feste Bootsseiten — sie wechseln mit dem Kurs.
🧠Lee = dort, wo der Wind weniger ankommt.
😂Lee ist der Ort, an dem der Wind gerade Urlaub macht.
Leine
Segel
An Bord heißt jedes Seil Leine — „Seil" sagt niemand. Welche Aufgabe sie hat, steckt im Namen: Fall, Schot, Festmacher, Reffleine.
Log
Navigation
Misst die Geschwindigkeit durchs Wasser. Zusammen mit dem GPS zeigt es, ob Strom mitläuft oder gegenan steht: Wenn das Log fünf Knoten meldet und das GPS sechs, schiebt der Strom.
Luk
auch: LukeBoot
Eine Öffnung im Deck mit Deckel — für Licht, Luft und den Weg nach unten. Vor dem Ablegen werden alle Luken geschlossen, weil überkommendes Wasser sonst direkt in die Kabinen läuft.
Luv
🇬🇧 WindwardManöver
Die dem Wind zugewandte Seite. Beim Segeln sitzt die Crew meist in Luv, also auf der hohen Seite.
⚠️Luv ist keine feste Seite des Bootes wie Backbord oder Steuerbord — sie wechselt mit dem Kurs.
🧠Luv kommt von Luft.
😂„Geh nach Luv!" ist kein Wellness-Tipp, sondern meistens eine Arbeitsanweisung.
M
Maestral
Wetter
Der sommerliche Nordwestwind der Adria — thermisch, nachmittags einsetzend, meist drei bis vier Windstärken, abends abflauend. Der Lieblingswind kroatischer Segelwochen.
Marina
Hafen
Ein Sportboothafen mit Infrastruktur — Strom, Wasser, Duschen, oft Restaurant. Kostet Liegegeld, das aus der Bordkasse bezahlt wird.
Meilenbuch
Törn
Der Nachweis gefahrener Seemeilen, vom Schiffsführer bestätigt. Wer später einen Sportküstenschifferschein machen oder selbst chartern will, braucht ihn — deshalb lohnt es sich, von Anfang an mitzuschreiben.
Ein Törn, der auf gesegelte Distanz ausgelegt ist statt auf Ankerbuchten: lange Schläge, oft auch nachts, die Crew geht Wache. Er muss keine Strecke von A nach B sein — viele Meilentörns enden im Starthafen. Gezählt werden die Seemeilen, die der Schiffsführer danach bestätigt.
Der Sommer-Nordwind der Ägäis, am stärksten im Juli und August. Kann tagelang mit fünf bis sieben Windstärken durchwehen — bei strahlend blauem Himmel. Kein Schlechtwetter, nur viel Wind.
Missweisung
auch: Deklination / VariationNavigation
Der Winkel zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord. Er hängt vom Ort ab und verschiebt sich über die Jahre. Wie groß er im eigenen Revier ist, steht in der Kompassrose der Seekarte — zusammen mit der jährlichen Änderung.
Mistral
Wetter
Kalter, trockener Nordwestwind im Golfe du Lion und der Provence, der durchs Rhônetal fällt. Kommt oft plötzlich und kräftig.
Mitsegler
Rollen
Wer einen einzelnen Platz auf einem Törn bucht und als Crewmitglied mitfährt — ohne Segelschein, ohne Erfahrung und ohne Verantwortung für das Schiff.
Eine am Hafengrund befestigte Leine, deren Ende am Steg bereitliegt. Beim Anlegen wird sie aufgeholt, nach vorn zum Bug gezogen und dort festgemacht — sie ersetzt den eigenen Anker. Wird nass, schlammig und riecht nach Hafen.
Der beständige Wind der Tropen, auf der Nordhalbkugel aus Nordost. Er weht über Wochen aus derselben Richtung und macht Ozeanpassagen planbar — deshalb führt die klassische Atlantikroute von den Kanaren mit dem Passat nach Westen und nicht zurück. Prägt auch Kanaren, Kapverden, Madeira und die Karibik.
Posidonia
auch: Neptungras / SeegrasHafen
Das Seegras des Mittelmeers. Seine Unterwasserwiesen werden tausende Jahre alt und sorgen für das klare Wasser in vielen Buchten. Anker und Ketten reißen darin Furchen, die nur etwa einen Millimeter pro Jahr zuwachsen — auf den Balearen ist Ankern darüber deshalb verboten. Im Wasser erscheint es als dunkler Fleck, Sandgrund dagegen hell.
Ein Kurs mit dem Wind schräg von hinten. Für viele der angenehmste Kurs überhaupt: schnell, wenig Krängung, kaum Spritzwasser.
Reffen
auch: Reff · 🇬🇧 ReefingSegel
Das Verkleinern der Segelfläche, um bei stärkerem Wind die Belastung zu reduzieren und das Boot besser kontrollierbar zu halten. Meist ab etwa fünf Windstärken ein Thema.
⚠️Welche Reffstufe sinnvoll ist, hängt von Boot, Wind, Welle und Crew ab — keine feste Zahl passt überall.
🧠Wenn du ans Reffen denkst, ist Reffen meistens eine gute Idee.
😂Reffen ist wie Sonnencreme — lieber etwas zu früh als zu spät.
Reling
Boot
Das Geländer rund um das Deck, meist aus Drahtseilen zwischen Stützen. Sie ist eine Orientierungshilfe, keine Absturzsicherung — anlehnen sollte man sich nicht.
Rollreff
Segel
Eine Vorrichtung, die ein Segel um sich selbst wickelt — so lässt es sich stufenlos verkleinern, ohne dass jemand aufs Vorschiff muss. Auf Charteryachten Standard.
Römisch-katholisch anlegen
Hafen
Das im Mittelmeer übliche Anlegen mit dem Heck zur Mole, wobei der Bug von einer Muring oder dem eigenen Anker gehalten wird. So passen dreimal so viele Boote an eine Mole wie längsseits.
Wer gerade steuert. Auf den meisten Törns darf jeder ans Ruder — eine halbe Stunde bei Welle Kurs zu halten ist die schnellste Art, Segeln zu verstehen.
Rumpf
Boot
Der eigentliche Bootskörper. Ein Einrumpfboot hat einen, ein Katamaran zwei — daher liegen dessen Kabinen getrennt und er krängt kaum.
S
Salon
Boot
Der gemeinsame Wohnraum unter Deck, mit Tisch und Sitzbänken. Der einzige Ort, an dem die ganze Crew im Trockenen zusammensitzt — deshalb gilt dort ungeschriebenes Aufräumgebot.
Schot
🇬🇧 SheetSegel
Die Leine, mit der die Stellung eines Segels zum Wind geregelt wird. Großschot am Großsegel, Genuaschot am Vorsegel. Sie geht nach hinten — im Gegensatz zum Fall, das nach oben geht.
⚠️Schoten können unter hoher Last stehen — Hände und Füße aus dem Gefahrenbereich halten.
🧠Schot geht nach hinten, Fall geht nach oben.
😂„Schot dicht!" ist ungefähr die seglerische Version von „Jetzt aber!".
Schwojen
Hafen
Das Drehen eines vor Anker liegenden Bootes um seine Ankerkette, wenn Wind oder Strom drehen. Deshalb muss rundum genug Platz sein — und deshalb weckt der Skipper nachts manchmal jemanden.
Seegang
auch: WelleWetter
Der Wellenzustand. Entscheidend ist nicht die Windstärke am Ort, sondern die Strecke, über die der Wind ungehindert läuft. Deshalb ist es im Windschatten einer Insel glatt und zwei Meilen weiter unangenehm — und für die Crew ist Welle oft belastender als Wind.
Seekrankheit
Törn
Übelkeit durch den Widerspruch zwischen dem, was das Gleichgewichtsorgan meldet, und dem, was die Augen sehen. Hilft zuverlässig: an Deck bleiben, den Horizont ansehen, steuern. Nach ein bis zwei Tagen gewöhnen sich die meisten.
Die Entfernungseinheit auf See: 1.852 Meter. Sie entspricht einer Bogenminute auf dem Längengrad — deshalb kann man sie direkt an der Seekarte abgreifen.
Skipper
auch: SchiffsführerRollen
Wer das Boot führt und die Verantwortung trägt — für Route, Sicherheit und, in der Praxis, für die Stimmung an Bord. Seine Entscheidung, im Hafen zu bleiben, wird nicht diskutiert.
Der in der Charterpraxis übliche Befähigungsnachweis für Küstengewässer bis 12 Seemeilen. Gesetzlich für Freizeitskipper nicht vorgeschrieben — aber ohne ihn vermietet kaum ein Vercharterer eine Yacht.
Ein großes, bauchiges Leichtwindsegel für Kurse mit dem Wind von hinten. Sieht spektakulär aus, verlangt Übung — auf Kojencharter-Törns kommt es eher selten zum Einsatz.
Stag
auch: WantSegel
Die Drähte, die den Mast halten. Stagen laufen nach vorn und hinten, Wanten zur Seite. Zusammen heißen sie „stehendes Gut" — im Gegensatz zum „laufenden Gut", also allem, was bewegt wird.
Steuerbord
🇬🇧 StarboardBoot
Die rechte Seite des Bootes, in Fahrtrichtung gesehen. Nachts durch ein grünes Licht markiert. Der Name stammt aus der Zeit vor dem Ruderblatt am Heck: Gesteuert wurde mit einem Riemen an der rechten Bordwand.
🧠Steuerbord hat ein R wie rechts.
😂Das R rettet Leben — zumindest vor dem nächsten „Welche Seite war nochmal Steuerbord?".
T
Tiefgang
🇬🇧 DraftBoot
Der Abstand zwischen Wasserlinie und dem tiefsten Punkt eines Bootes, meist dem Kiel oder einem anderen unter Wasser liegenden Bauteil.
⚠️Wassertiefe und Tiefgang nicht verwechseln — Sicherheitsabstand zum Grund einplanen.
⚓Entscheidend für die Wahl von Fahrwasser, Ankerplatz und Hafen.
🧠Tiefgang = wie tief das Boot ins Wasser reicht.
😂Tiefgang ist wichtig — besonders wenn der Skipper behauptet: „Da kommen wir locker durch."
Törn
Törn
Eine Segelreise von mehreren Tagen. Die typische Dauer im Mittelmeer ist eine Woche, meist Samstag bis Samstag, weil sich der Chartermarkt darauf eingespielt hat.
Ü
Überführung
auch: ÜberführungstörnTörn
Eine Fahrt mit dem Zweck, das Schiff an einen anderen Ort zu bringen — zum Saisonwechsel, zur Werft, zur neuen Charterbasis. Anders als beim Meilentörn sind die Meilen nicht das Ziel, sondern fallen nebenbei an. Gefahren wird nach Zeitplan, im Wachrhythmus, teils mehrere Tage am Stück.
V
Vorschiff
Boot
Der vordere Bereich an Deck. Praktisch der einzige Rückzugsort an Bord: Wer sich mit Buch und Kopfhörern aufs Vorschiff setzt, signalisiert damit, gerade nicht reden zu wollen.
W
Wache
auch: AnkerwacheRollen
Ein Zeitfenster, in dem jemand für Ausguck und Kurs zuständig ist. Auf Tagestörns selten, auf Nachtfahrten und bei viel Wind vor Anker die Regel. Nachts geweckt zu werden ist Routine, kein Notfall.
Wegpunkt
Navigation
Ein gespeicherter Punkt auf der Route. Eine Törnroute besteht aus einer Kette von Wegpunkten, zwischen denen Distanz und Zeit berechnet werden.
Ein Kurswechsel, bei dem der Bug durch den Wind geht. Die häufigste Manöveransage an Bord lautet „Klar zur Wende?" — die richtige Antwort ist „Ist klar!", wenn du deine Schot in der Hand hast.
⚠️Der nötige Raum und Ablauf hängen vom Boot und der Situation ab.
🧠Wende = Bug durch den Wind. Halse = Heck durch den Wind.
😂„Wir fahren zurück." — „Nein, wir wenden."
Winsch
auch: WindeBoot
Eine Trommel mit Kurbel, über die Schoten dichtgeholt werden. Sie vervielfacht die Kraft — ohne sie ließe sich ein Segel bei Wind nicht von Hand bedienen. Finger gehören nie zwischen Leine und Trommel.
Die Sprache lernst du an Bord — nebenbei.
Kein Skipper erwartet, dass du diese Begriffe vorher kennst. Nach drei Tagen sagst du „Luv", ohne darüber nachzudenken.