Wer kocht — und muss ich das können?
Auf den allermeisten Törns kocht die Crew gemeinsam, im Wechsel. Üblich ist ein Kombüsendienst: Zwei Leute übernehmen einen Tag lang Kochen und Abwasch, am nächsten Tag sind zwei andere dran. Bei acht Personen an Bord kochst du in einer Woche also etwa zweimal — und wäschst zweimal ab.
Kochen können musst du dafür nicht. Nudeln mit Tomatensauce für acht Leute ist eine völlig respektable Bordmahlzeit, und niemand erwartet mehr. Wer gar nicht kochen mag, tauscht mit jemandem und übernimmt dafür öfter den Abwasch — das ist an Bord eine ganz normale Absprache und wird niemandem übel genommen.
Es gibt auch Törns mit Koch oder Vollverpflegung, meist bei Veranstaltern und bei größeren Schiffen. Das steht dann in der Ausschreibung. Beim klassischen Kojencharter mit acht bis zehn Leuten ist Selbstversorgung die Regel.
- Sag bei der Anfrage, wenn du vegetarisch, vegan oder mit Allergien lebst. Vor dem Einkauf ist das eine Zeile auf dem Zettel — an Bord im Supermarkt einer griechischen Insel wird es plötzlich zum Problem.
Der Rhythmus einer Segelwoche
Gegessen wird an Bord anders als zu Hause, weil der Tag anders läuft. Vormittags wird gesegelt, mittags ist meist Badestopp, abends liegt das Boot. Warm gekocht wird deshalb fast immer nur einmal am Tag — abends, im Hafen oder in der Bucht.
| Mahlzeit | Wann & wo | Was üblich ist |
|---|---|---|
| Frühstück | Im Hafen vor dem Ablegen | Brot, Käse, Obst, Kaffee — jeder nimmt sich selbst |
| Unterwegs | Während der Fahrt | Obst, Nüsse, Kekse in Reichweite im Cockpit |
| Mittag | Beim Badestopp vor Anker | Salat, Brot, Reste — kalt, weil das Boot schaukelt |
| Abends | Im Hafen oder in der Bucht | Die warme Mahlzeit, meist ein Topfgericht |
| 1–2× pro Woche | Taverne an Land | Bewusst eingeplant — Abwechslung und der Abend an Land |
Unterwegs wird kaum gekocht: Auf einem krängenden Boot ist ein Topf mit kochendem Wasser eine schlechte Idee. Wer das Frühstück verpasst, sollte deshalb morgens noch etwas essen — der nächste warme Teller kommt erst am Abend.
Was in der Kombüse anders ist
Die Bordküche ist kleiner als jede Wohnküche und alles darin ist auf Bewegung ausgelegt. Der Herd ist kardanisch aufgehängt, hängt also in einer Achse und bleibt waagerecht, wenn das Boot krängt. Töpfe werden mit Klammern festgehalten. Der Kühlschrank ist eine Kiste, in die man von oben greift — damit die Kälte beim Öffnen nicht herausfällt.
Der wichtigste Unterschied ist aber das Wasser. Ein Boot hat je nach Größe zwischen 200 und 500 Litern Frischwasser an Bord, und die müssen für acht Leute bis zum nächsten Hafen reichen. Deshalb wird an Bord grundsätzlich sparsam gespült: erst grob mit Meerwasser, dann kurz mit Frischwasser nachziehen. Das ist keine Schrulle, sondern der Grund, warum am dritten Tag noch geduscht werden kann.
Gekocht wird mit Gas aus einer Flasche im Achterschiff. Der Haupthahn wird nach dem Kochen zugedreht — das ist Sicherheitsroutine, denn Gas ist schwerer als Luft und würde sich im Bootsrumpf sammeln statt zu verfliegen. Wer sie einmal gezeigt bekommt, macht sie ab dann selbst.
- Ein Topf mit Deckel ist an Bord immer besser als zwei ohne. Weniger Gas, weniger Abwasch, und nichts schwappt beim Schaukeln über.
- Eintopf, Pfannengericht, Pasta: Bordgerichte, die in einem Topf funktionieren, sind kein Kompromiss, sondern die vernünftige Lösung. Die Kombüse hat zwei Flammen, nicht vier.
Der große Einkauf am ersten Tag
Am Anreisetag, meist direkt nach dem Einchecken, geht die Crew gemeinsam einkaufen — für die ganze Woche oder zumindest für die ersten Tage. Das ist der Moment, in dem man sich kennenlernt, und er ist überraschend wichtig für die Stimmung an Bord: Wer zusammen einen Einkaufswagen füllt, hat den ersten Abend schon halb hinter sich.
Bezahlt wird aus der Bordkasse, in die alle zu Beginn denselben Betrag einzahlen. Daraus gehen Lebensmittel, Diesel, Hafengebühren und Endreinigung. Am Ende der Woche wird abgerechnet und der Rest zurückgezahlt — bei uns kannst du das mit der Bordkasse auch digital führen, dann rechnet niemand am letzten Abend mit Zetteln.
Der klassische Fehler ist, zu viel zu kaufen. Der Kühlschrank ist klein, ihr esst ein- bis zweimal an Land, und alles, was übrig bleibt, muss am Ende weggeworfen werden. Plant lieber vier Abendessen für sieben Tage und kauft in der Wochenmitte nach — Häfen haben fast immer einen Laden.
| Kategorie | Konkret | Warum |
|---|---|---|
| Wasser | 1,5–2 L pro Person und Tag | Salz, Sonne und Wind trocknen aus — der häufigste Engpass |
| Haltbares | Nudeln, Reis, Dosentomaten, Öl | Übersteht Hitze und braucht keinen Kühlschrankplatz |
| Frisches | Nur für 2–3 Tage | Der Kühlschrank ist klein und wird oft geöffnet |
| Snacks | Nüsse, Obst, Riegel, Kekse | Unterwegs wird nicht gekocht, aber gegessen |
| Frühstück | Brot, Eier, Käse, Kaffee | Die einzige Mahlzeit, die jeden Tag gleich abläuft |
Glasflaschen nach Möglichkeit vermeiden: Sie klirren, sie rollen, und wenn eine bricht, liegen Scherben in einer Bilge, an die niemand herankommt.
Wenn dir beim Kochen schlecht wird
Die Kombüse liegt unter Deck, ohne Horizont, mit Kochgerüchen und in dem Teil des Bootes, der sich am meisten bewegt. Sie ist damit der zuverlässigste Ort, um seekrank zu werden — auch für Leute, die an Deck völlig beschwerdefrei sind.
Deshalb gilt an Bord: Wem beim Kochen mulmig wird, geht sofort nach oben. Das ist keine Drückerei, sondern gelebte Praxis, und jeder erfahrene Segler kennt es. Jemand anderes übernimmt, du übernimmst dafür später den Abwasch an Deck. Wer sich durchbeißt, hilft am Ende niemandem.
Mehr dazu, was gegen Seekrankheit hilft und was nicht, steht in unserem Ratgeber zur Seekrankheit.
