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Das Bordbuch — was hineingehört und wer eins führen muss

Ein Bordbuch ist die laufende Aufzeichnung einer Reise: eine Zeile pro Stunde, mit Uhrzeit, Position, Wind, Kurs und dem, was gerade passiert ist. Es klingt nach Bürokratie und ist in Wahrheit das Einzige, was von einer Woche übrig bleibt, wenn die Fotos nicht mehr verraten, welche Bucht das war. Hier steht, wer eins führen muss, was hineingehört und wie daraus später der Meilennachweis wird.

~7 Min. LesezeitStand August 2026

Muss ich überhaupt eins führen?

Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt an der Flagge des Bootes, nicht an deinem Wohnsitz. Fährt ein Sportboot unter deutscher Flagge auf See, muss es nach übereinstimmender Auskunft der einschlägigen Segelquellen ein Schiffstagebuch führen. Hergeleitet wird das aus der Schiffssicherheitsverordnung in Verbindung mit Kapitel V des SOLAS-Übereinkommens.

Für den typischen Kojencharter-Törn ist das aber gar nicht die entscheidende Regel. Charteryachten in Kroatien fahren unter kroatischer Flagge, Charteryachten in Griechenland unter griechischer — das ist dort Voraussetzung dafür, dass ein Boot überhaupt vermietet werden darf. Auf so einem Boot richtet sich die Frage nach dem Recht des Flaggenstaats und nach dem Chartervertrag, nicht nach der deutschen Verordnung.

Praktisch läuft beides auf dasselbe hinaus: Vercharterer erwarten ein geführtes Bordbuch, und bei einem Schaden ist es das erste, wonach gefragt wird. Wer nichts vorweisen kann, steht bei der Frage „wie ist das passiert?" mit leeren Händen da — und diskutiert dann über Erinnerungen statt über Aufzeichnungen.

Und für dich als Mitsegler gilt ohnehin: Du musst nichts führen. Der Schiffsführer ist verantwortlich. Aber wenn du später einen Schein machen willst, ist genau dieses Buch die Grundlage deiner Seemeilen — und das ist Grund genug, selbst mitzuschreiben.

Das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Anders als sonst konnten wir den Verordnungstext hier nicht im Original einsehen, sondern nur die Darstellung in den Quellen unten. Wer es für sein eigenes Boot genau wissen muss, prüft die Vorschrift des Flaggenstaats.

Was in eine Zeile gehört

Ein Bordbuch ist eine Tabelle, und jede Spalte hat einen Grund. Die Idee dahinter: Aus den Zeilen lässt sich die Position rekonstruieren, auch wenn kein GPS mehr da ist. Wer Kurs, Zeit und Fahrt notiert hat, kann sie fortschreiben. Das nennt sich Koppelnavigation, und es ist der eigentliche Zweck der ganzen Anordnung.

Die Spalten und wofür sie da sind
SpalteWas hineinkommtWozu
UhrzeitVolle Stunde oder EreigniszeitOhne Zeit lässt sich nichts rekonstruieren
PositionHafen, Bucht — oder KoordinateDer Ankerpunkt für alles Weitere
WindStärke in Bft und RichtungErklärt hinterher jede Kursentscheidung
Wolken / SichtBedeckung, SichtweiteZählt bei Schadensfragen und Nachtfahrten
BarometerLuftdruckDie fallende Tendenz sieht man erst in der Reihe
SeegangWellenhöhe, grobDer ehrlichere Belastungswert als der Wind
MgK / KaKMagnetkompass- und KartenkursDie Grundlage der Koppelnavigation
Fahrt / LoggeKnoten, Logstand in smAus Logstand-Differenzen entsteht die Tagesstrecke
SegelführungGroß, Genua, Motor an/ausBelegt, ob gesegelt oder motort wurde
BemerkungWas passiert istDie Spalte, die man später wirklich liest
⚓ Aus der Praxis
  • MgK und KaK werden ständig verwechselt: KaK ist der Kurs aus der Seekarte, MgK das, was der Magnetkompass an seinem Einbauort anzeigt. Dazwischen liegen Missweisung und Deviation.
  • Die Bemerkungsspalte ist die wertvollste und wird am häufigsten leer gelassen. „Delfine querab" und „Reff eingebunden, Crew nass" sind beide gute Einträge.

Wie oft eingetragen wird

Die Konvention ist: stündlich zur vollen Stunde, solange gefahren wird. Dazu kommt eine Zeile bei jedem Ereignis, das den Zustand des Bootes ändert — Ablegen, Anlegen, Segel setzen oder bergen, Reff ein oder aus, Motor an oder aus, Kurswechsel, Ankern.

Im Hafen und vor Anker ruht das Buch. Wer nachts durchsegelt, schreibt weiter, und gerade dann lohnt es sich: Die Nachtstunden sind die, an die sich am nächsten Morgen niemand mehr genau erinnert.

Eine Sache, die viele überrascht: Es wird mit Kugelschreiber geschrieben und nichts wird radiert. Ein falscher Eintrag wird durchgestrichen, sodass er lesbar bleibt, und daneben neu geschrieben. Ein Buch, in dem sauber korrigiert wurde, ist glaubwürdiger als eins ohne jede Korrektur.

Wenn niemand an das stündliche Eintragen denkt: Es hilft, es an die Wachablösung oder an den Kaffee zu hängen. Ein Buch mit Lücken ist trotzdem besser als keins — perfekte Vollständigkeit ist nicht der Maßstab.

Vom Bordbuch zum Meilennachweis

Wer nach dem Mitsegeln einen weiterführenden Schein machen will, braucht gefahrene Seemeilen — für den Sportküstenschifferschein SKS sind mindestens 300 Seemeilen auf Yachten in Küstengewässern der übliche Nachweis. Bestätigt werden sie vom Schiffsführer des jeweiligen Törns, mit Unterschrift, Törndaten und Strecke.

Die Strecke kommt aus dem Bordbuch. Genauer: aus der Differenz der Logstände zwischen Ablegen und Anlegen, aufsummiert über die Tage. Wer das Buch geführt hat, kann die Zahl belegen; wer nicht, muss schätzen — und eine geschätzte Zahl auf einem Nachweis ist eine unangenehme Sache.

Deshalb der praktische Rat: Lass dir die Bestätigung am letzten Abend geben, nicht Wochen später per Mail. Am letzten Abend sitzt der Skipper noch neben dir und hat die Zahlen vor sich. Danach wird es zäh.

Wie viele Meilen überhaupt zusammenkommen, entscheidet die Törnart — auf einem Meilentörn ist die Distanz das Ziel, auf einem Urlaubstörn die Bucht. Der Vergleich steht im Ratgeber Seemeilen sammeln.

Bei uns kannst du die Meilen im Meilenbuch sammeln — es rechnet die Summe über alle Törns zusammen und lässt sich ausdrucken. Für die Unterschrift an Bord gibt es einen kostenlosen Vordruck für die Seemeilenbestätigung: am Bildschirm ausfüllen oder leer ausdrucken und mitnehmen — auf See hast du kein Netz.

⚓ Aus der Praxis
  • Notiere dir Logstand beim Ablegen und beim Anlegen selbst, jeden Tag. Das sind zwei Zahlen und ersetzt hinterher jede Diskussion.

Papier oder digital?

Papier hat einen Vorteil, der schwer zu schlagen ist: Es funktioniert ohne Strom, ohne Netz und mit nassen Fingern. Deshalb liegt auf fast jeder Charteryacht ein gedrucktes Buch aus, und es spricht nichts dagegen, es zu benutzen.

Der Nachteil zeigt sich hinterher. Ein Papierbuch bleibt an Bord, und was du daraus mitnehmen willst — die Strecke, die Orte, die Geschichte der Woche — musst du abschreiben. Genau da hilft unser Törn-Tracker nebenher: Das Handy zeichnet die Strecke auf, Fotos und Notizen kommen dazu, und die Familie liest per Link mit. Das gedruckte Buch an Bord ersetzt es nicht. Kostenlos, du brauchst nur ein sailoo-Konto.

Zwei Dinge sind uns dabei wichtig. Erstens ist ein Bordbuch etwas Privates: Was du einträgst, sieht nur, wem du einen Link gibst. Zweitens ist es keine Sackgasse: Die Meilen wandern mit einem Klick ins Meilenbuch.

Wer die Route schon vor dem Törn plant, geht den Weg andersherum: Im Törnplaner entsteht die geplante Route, und daraus lässt sich ein Bordbuch mit den Tagen und Etappen vorbereiten. Die Tagesstrecke bleibt dabei bewusst leer — was tatsächlich gefahren wurde, weiß erst das Log an Bord.

Der Törn-Tracker speichert in deinem sailoo-Konto. Fällt das Handy ins Wasser, ist auf dem nächsten Gerät alles wieder da.

Die Fehler, die am häufigsten passieren

Der häufigste ist, gar nicht erst anzufangen — meistens am ersten Tag, an dem sowieso alles neu ist, und danach fehlt der Anfang und man lässt es ganz. Dagegen hilft nur, am ersten Tag die erste Zeile zu schreiben, und sei sie unvollständig.

Der zweithäufigste ist, alles am Abend aus dem Kopf nachzutragen. Das geht für die Orte gut und für Wind, Kurs und Logstand gar nicht — genau die Zahlen, auf die es ankommt, sind die, die man abends nicht mehr weiß.

Und der ärgerlichste: nur die schönen Tage einzutragen. Ein Bordbuch ist keine Chronik der Höhepunkte. Der Tag, an dem es sechs Windstärken hatte und alle seekrank waren, ist der, den du in fünf Jahren nachlesen willst.

⚓ Aus der Praxis
  • Wenn du unsicher bist, ob etwas hineingehört: Es gehört hinein. Zu viel notiert hat noch niemandem geschadet.
Häufige Fragen
Muss ich auf einer Charteryacht ein Logbuch führen?

Verantwortlich ist der Schiffsführer, nicht du als Mitsegler. Ob eine gesetzliche Pflicht besteht, hängt an der Flagge des Bootes: Charteryachten in Kroatien und Griechenland fahren unter der Flagge dieser Länder, nicht unter deutscher. Unabhängig davon erwarten Vercharterer ein geführtes Buch, und bei einem Schaden ist es das erste, wonach gefragt wird.

Gilt für deutsche Sportboote eine Logbuchpflicht?

Die einschlägigen Segelquellen gehen für Sportboote unter deutscher Flagge in der Seeschifffahrt übereinstimmend von einer Pflicht zum Führen eines Schiffstagebuchs aus, hergeleitet aus der Schiffssicherheitsverordnung in Verbindung mit Kapitel V des SOLAS-Übereinkommens. Das ist keine Rechtsberatung — wer es für sein eigenes Boot genau wissen muss, prüft die Vorschrift des Flaggenstaats.

Was gehört in ein Bordbuch?

Pro Zeile: Uhrzeit, Position, Wind nach Stärke und Richtung, Wolken und Sicht, Luftdruck, Seegang, Kurs als MgK und KaK, Fahrt und Logstand, die Segelführung samt Motor — und eine Bemerkung. Eingetragen wird stündlich sowie bei jedem Ereignis, das den Zustand des Bootes ändert.

Wie oft muss man ins Logbuch eintragen?

Üblich ist stündlich zur vollen Stunde, solange gefahren wird, plus eine Zeile bei jedem Ereignis: Ablegen, Anlegen, Segel setzen oder bergen, Reffen, Motor an oder aus, Kurswechsel, Ankern. Im Hafen und vor Anker ruht das Buch.

Darf man im Logbuch etwas korrigieren?

Ja, aber nicht durch Radieren oder Überschreiben. Ein falscher Eintrag wird so durchgestrichen, dass er lesbar bleibt, und daneben neu geschrieben. Ein Buch mit sauber sichtbaren Korrekturen ist glaubwürdiger als eines ohne jede Korrektur.

Wie wird aus dem Logbuch der Meilennachweis?

Die gefahrene Strecke ergibt sich aus der Differenz der Logstände zwischen Ablegen und Anlegen, aufsummiert über die Törntage. Der Schiffsführer bestätigt sie mit Unterschrift, Törndaten und Strecke. Für den SKS sind rund 300 Seemeilen auf Yachten in Küstengewässern der übliche Nachweis — lass dir die Bestätigung am letzten Abend geben, nicht Wochen später.

Gibt es eine kostenlose Bordbuch-Vorlage?

Für das Logbuch an Bord nimm das gedruckte Buch, das auf der Yacht liegt, oder eins aus dem Fachhandel. Nebenher zeichnet unser Törn-Tracker kostenlos die Strecke auf, und die Familie sieht per Link mit. Am Ende wandern die Meilen ins Meilenbuch.

Quellen
  1. KlabauterKiste: „Logbuchpflicht für Sportboote — aktuelle Rechtslage" (Herleitung aus Schiffssicherheitsgesetz und Schiffssicherheitsverordnung)
  2. Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne: „Logbuchführung auf Sportbooten"
  3. ADAC Skipper: „Logbuch — Inhalt, Regeln, Pflichten und Wissenswertes"
  4. sailwithus: „Seemeilenbestätigung — Nachweis, Meilen & Beantragung" (300 sm für den SKS, Bestätigung durch den Schiffsführer)
Den Törn aufzeichnen, kostenlos, mit GPS und Crew.

Das Handy zeichnet die Strecke auf, zu Hause sieht man live mit. Die Meilen gehen danach ins Meilenbuch.

Kennst du jemanden, dem das weiterhilft?
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Dieser Ratgeber gibt allgemeine Orientierung nach bestem Wissen und ersetzt keine individuelle Beratung. Angaben zu Preisen, Sicherheit, Ausrüstung und Gesundheit können im Einzelfall abweichen — bitte im Zweifel beim Anbieter, Fachhandel oder Arzt bzw. Apotheke rückversichern. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit übernimmt sailoo.eu keine Haftung.