Funktafel Hochsee.
Für die Überfahrt: Notverkehr auf Grenz- und Kurzwelle, der Notknopf am Satellitengerät, die EPIRB und der Anruf bei der Rettungsleitstelle. Mit euren Bootsdaten und den Nummern eurer Route.
Funktafel Hochsee
- Boot
- Callsign
- MMSI
- Personen an Bord
- Klappe auf. Ist noch Zeit: Art des Notfalls wählen, Position prüfen.
- Kurzwelle: Mehrfrequenz-Alarm, oft voreingestellt. Ist noch Zeit, besser Band für Band: 8 MHz zuerst, 3 Minuten auf die Bestätigung warten, dann das nächste.
- Taste DISTRESS 5 Sekunden drücken. Das Gerät wiederholt, bis eine Küstenfunkstelle bestätigt, meist innerhalb von 2½ Minuten.
- Sprechfrequenz desselben Bandes einstellen, nach Mehrfrequenz-Alarm 8291 kHz. Nach der Bestätigung:
Keine Bestätigung nach 3 Minuten: anderes Band. Zusätzlich gehen Notknopf am Satellitengerät und EPIRB, siehe Rückseite.
| MHz | DSC-Alarm | Sprechen | sm Tag | Nacht |
|---|---|---|---|---|
| 2GW | 2187,5 | 2182 | 100 | 300 |
| 4KW | 4207,5 | 4125 | 300 | 800 |
| 6KW | 6312 | 6215 | 400 | 1000 |
| 8KW | 8414,5 | 8291 | 500 | 1200 |
| 12KW | 12577 | 12290 | 2000 | 800 |
| 16KW | 16804,5 | 16420 | 4000 | – |
- Grenzwelle und UKW erreichen Schiffe in der Nähe, Kurzwelle die Küstenfunkstellen.
- Tags eher die hohen Bänder, nachts die niedrigen. 8 MHz ist oft die erste Wahl.
Reichweiten grob, je nach Jahreszeit, Tageszeit und Wetter.
- Der Anweisung am Display folgen. Oder: aus, 10 Sekunden warten, ein, dann dem Display folgen.
- Kann das Gerät den Alarm selbst aufheben (self-cancel): auf allen Frequenzen, auf denen er rausging.
- Dann auf der Sprechfrequenz jedes Bandes, auf dem er rausging:
Danach auf der Frequenz bleiben und antworten, wenn jemand nachfragt. Wer einen Fehlalarm meldet und aufhebt, hat in der Regel nichts zu befürchten.
- SINKING sinken
- ON FIRE Feuer, Explosion
- TAKING WATER Wassereinbruch
- COLLISION Kollision
- AGROUND Grundberührung
- CAPSIZING Kentern droht
- DISABLED AND ADRIFT manövrierunfähig
- ABANDONING SHIP Schiff verlassen
- MAN OVERBOARD Person über Bord
- Nicht per DSC bestätigen. 5 Minuten auf 2182 kHz zuhören.
- Haben Küstenfunkstelle oder MRCC bestätigt oder läuft Notverkehr, und ihr könnt helfen: per Sprechfunk bestätigen.
- Niemand bestätigt, der Alarm kommt weiter: Küstenfunkstelle oder MRCC informieren. Nie ein DSC-Relay an alle.
- Nicht bestätigen: Der Alarm auf Kurzwelle ist für die Küstenfunkstellen.
- Sprechfrequenz desselben Bandes hören, bei mehreren Bändern das beste, oft 8 MHz. 1 bis 2 Minuten nichts: anderes Band.
- Nach 5 Minuten keine Bestätigung und kein Notverkehr: MRCC informieren. Weiterleiten nur auf Anweisung von MRCC oder Küstenfunkstelle.
- Könnt ihr helfen: es dem MRCC anbieten.
- DSC-Ankündigung an eine Küstenfunkstelle oder ein Seegebiet, auf Kurzwelle oft 8 MHz zuerst. Gesprochen wird auf der Sprechfrequenz desselben Bandes:
Satellit, Bake, Telefon
- Boot
- Callsign
- MMSI
- Personen an Bord
- ruft RettungEPIRB, PLB (406 MHz)erreicht das MRCC weltweit über Satellit. Eigene Batterie, auch aus der Rettungsinsel.
- ruft RettungNotknopf Inmarsat-C, Iridium-GMDSSerreicht das MRCC, mit Bestätigung auf dem Display.
- ruft RettungDSC Grenz- und Kurzwelleerreicht Küstenfunkstellen über weite Strecken.
- ruft RettungDSC UKWerreicht Schiffe und Küstenfunk in Reichweite der Antenne.
- über eine LeitstelleSOS-Messenger (inReach, Zoleo)erreicht eine private Leitstelle, die das MRCC anruft.
- nur mit NummerSatellitentelefonerreicht wen ihr anruft. Ohne Nummer des MRCC niemanden.
- ruft keine RettungStarlinkerreicht das Internet: WhatsApp, Anruf, Mail. Kein Notknopf, keine Position. Braucht Strom und Antenne.
- ruft keine RettungAIS-MOB, AIS-SARTerreicht nur Schiffe in der Nähe, je nach Gerät 1 bis 10 sm. Kein MRCC.
- Notknopf so drücken, wie es die Anleitung sagt, meist hinter einer Klappe.
- Ist noch Zeit: Art des Notfalls wählen.
- Aufs Display schauen. Iridium zeigt erst „delivered", dann „acknowledged": Das MRCC hat bestätigt.
- Iridium-GMDSS baut dabei die Sprechverbindung zum MRCC auf.
Iridium: am Display abbrechen. Das MRCC bekommt die Aufhebung mitgeteilt.
Inmarsat-C: Nachricht mit Priorität Distress an das MRCC: Name, Callsign, Kennung, Position, „CANCEL MY DISTRESS ALERT OF" Datum, Uhrzeit UTC.
- Auslösen bei Lebensgefahr, auch zusätzlich zu Funk und Notknopf.
- Antenne nach oben und frei, nicht unter Deck.
- Wer das Boot verlässt, nimmt sie mit in die Rettungsinsel und sichert sie an der Leine.
Fehlauslösung: sofort stoppen und dem MRCC Bescheid geben, über Funk oder Satellit.
- Die MRCCs der Route aus amtlichen Listen heraussuchen und eintragen. Dieselben Nummern ins Satellitentelefon und ins Handy.
- EPIRB: Selbsttest nach Anleitung, Ablaufdatum von Batterie und Auslöser ansehen, Registrierung auf dieses Boot prüfen (in Deutschland über die Bundesnetzagentur).
- Funkgerät: MMSI eingetragen, GPS angeschlossen? Sonst fehlt die Position im Alarm.
- Satellitengerät: in der Anleitung nachlesen, wie der Notknopf geht. Nicht zum Ausprobieren drücken.
- Starlink: Strombedarf kennen. Fällt die Bordelektrik aus, ist auch Starlink weg.
- Langsam sprechen, Zahlen einzeln. Das MRCC fragt nach, was fehlt.
Danach das Telefon anlassen und frei halten: Das MRCC ruft zurück.
| MRCC | Leitstelle | Telefon |
|---|---|---|
| Leitstelle | Telefon | |
| Leitstelle | Telefon | |
| Leitstelle | Telefon | |
| An Land | Name | Telefon |
| Satellit | Nummer oder Kennung an Bord | |
| EPIRB | Kennung (HEX-ID), steht auf dem Gerät | |
Nummern aus amtlichen Listen, vor der Abreise geprüft. Dieselben ins Telefon.
Was draufsteht
- Vorderseite: der Notalarm Schritt für Schritt, welches Band wann, und die Notmeldung groß zum Ablesen. Daneben alle Frequenzen mit grober Reichweite, wie ihr einen Fehlalarm aufhebt und was zu tun ist, wenn ihr selbst einen Alarm hört. Auf Grenz- und Kurzwelle ist das nicht dasselbe.
- Rückseite: welches Gerät im Notfall wen erreicht, der Notknopf am Satellitengerät, die EPIRB, ein Sprechzettel für den Anruf beim MRCC und eure Nummern.
Das Wichtigste vorweg: Nach einem Alarm auf mehreren Kurzwellenbändern wird auf 8291 kHz gesprochen. Wer nur ein Band nimmt, fängt mit 8 MHz an und wartet 3 Minuten auf die Bestätigung, bevor er das nächste versucht.
Starlink, Satellitentelefon, AIS: Was davon ruft Hilfe?
Auf vielen Booten der Atlantik-Rallye ARC läuft inzwischen Starlink, und nach Mastbrüchen haben Crews darüber andere Boote alarmiert. Trotzdem ist es kein Notruf: Es gibt keinen Notknopf, keine Position und keinen Alarm, den jemand bestätigen muss. Es braucht Strom und eine Antenne, und genau die fallen nach Mastbruch, Wassereinbruch oder Ausfall der Bordelektrik oft als Erstes weg. In die Rettungsinsel kommt es nicht mit.
Erst der Alarm, der sicher ankommt. Dann reden.
| Gerät | erreicht | Rettung |
|---|---|---|
| EPIRB, PLB (406 MHz) | Das MRCC weltweit über Satellit. Eigene Batterie, auch aus der Rettungsinsel. | ruft Rettung |
| Notknopf Inmarsat-C, Iridium-GMDSS | Das MRCC, mit Bestätigung auf dem Display. | ruft Rettung |
| DSC Grenz- und Kurzwelle | Küstenfunkstellen über weite Strecken. | ruft Rettung |
| DSC UKW | Schiffe und Küstenfunk in Reichweite der Antenne. | ruft Rettung |
| SOS-Messenger (inReach, Zoleo) | Eine private Leitstelle, die das MRCC anruft. | über eine Leitstelle |
| Satellitentelefon | Wen ihr anruft. Ohne Nummer des MRCC niemanden. | nur mit Nummer |
| Starlink | Das Internet: WhatsApp, Anruf, Mail. Kein Notknopf, keine Position. Braucht Strom und Antenne. | ruft keine Rettung |
| AIS-MOB, AIS-SART | Nur Schiffe in der Nähe, je nach Gerät 1 bis 10 sm. Kein MRCC. | ruft keine Rettung |
Nach dem Alarm ist Starlink dagegen Gold wert: lange Gespräche mit dem MRCC, Fotos vom Schaden, ein Videoanruf mit dem Arzt. Den Sprechzettel dafür hat die Rückseite.
Vor der Abreise
- Die MRCCs der Route aus amtlichen Listen heraussuchen und eintragen. Dieselben Nummern ins Satellitentelefon und ins Handy.
- EPIRB: Selbsttest nach Anleitung, Ablaufdatum von Batterie und Auslöser ansehen, Registrierung auf dieses Boot prüfen (in Deutschland über die Bundesnetzagentur).
- Funkgerät: MMSI eingetragen, GPS angeschlossen? Sonst fehlt die Position im Alarm.
- Satellitengerät: in der Anleitung nachlesen, wie der Notknopf geht. Nicht zum Ausprobieren drücken.
- Starlink: Strombedarf kennen. Fällt die Bordelektrik aus, ist auch Starlink weg.
Häufige Fragen
Welche Frequenz gilt in Seenot auf Kurzwelle?
Der digitale Notalarm geht auf 4207,5, 6312, 8414,5, 12577 oder 16804,5 kHz raus, auf Grenzwelle auf 2187,5 kHz. Gesprochen wird danach auf der Sprechfrequenz desselben Bandes: 4125, 6215, 8291, 12290, 16420 kHz oder 2182 kHz. Nach einem Alarm auf mehreren Bändern auf 8291 kHz.
Ersetzt Starlink das Funkgerät oder die EPIRB?
Nein. Starlink hat keinen Notknopf, schickt keine Position und keinen Alarm, den jemand bestätigen muss. Es braucht Strom und eine Antenne, die nach einem Mastbruch oder bei Wassereinbruch oft nicht mehr läuft. Zum Telefonieren mit dem MRCC nach dem Alarm ist es dagegen sehr gut.
Was tun, wenn ich auf Kurzwelle einen Notalarm empfange?
Nicht bestätigen, die Sprechfrequenz desselben Bandes hören. Bestätigt nach 5 Minuten keine Küstenfunkstelle und läuft kein Notverkehr, das MRCC informieren. Weiterleiten nur, wenn das MRCC es verlangt.
Brauche ich für Grenz- und Kurzwelle das LRC?
Ja, wer eine Grenz-, Kurzwellen- oder Inmarsat-Anlage bedient, braucht das LRC. In Seenot darf jeder jedes Funkgerät benutzen, um Hilfe zu holen.
Woher die Abläufe kommen
Aus den Vorgaben selbst, im Original gelesen. Wo sie sich unterscheiden, gilt die neuere: Die IMO hat ihre Ablaufdiagramme im Juli 2026 erneuert.
- ITU-R M.541-11: Betriebsverfahren für DSC (2023)
- ITU-Resolution 349 (Rev. WRC-23): Fehlalarm aufheben
- IMO MSC.1/Circ.1657/Rev.1 (Juli 2026): Empfangene DSC-Notalarme
- Cruising Club of America: Coastal and Offshore Communications Guide (2026)
- Iridium: GMDSS FAQ
- Europäische Küstenwachen: Liste der MRCCs
Stand Oktober 2026. Für UKW gibt es die Funktafel, für die Aufgabenverteilung an Bord die Notrolle. Vor Spanien und Portugal: Orcas am Ruder.